Seit dem 28. Februar 2026 hält ein neuer geopolitischer Schock die Welt in Atem. Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat nicht nur die Weltpolitik verändert, sondern auch die Energiemärkte in heftige Turbulenzen gestürzt. Die Sperrung der Straße von Hormus, iranische Drohnenangriffe auf die Flüssiggasanlage Ras Laffan in Katar und der Ausfall von LNG-Lieferungen haben die Gaspreise in Europa zeitweise auf über 74 Euro pro Megawattstunde getrieben. Ein Anstieg von mehr als 100 Prozent gegenüber dem Niveau vor dem Konflikt.
Die Erinnerungen an die Energiekrise 2022 sind frisch. Damals schossen die Gaspreise auf über 220 Euro pro Megawattstunde und die Strompreise an der europäischen Strombörse auf historische Rekordwerte von 488 Euro pro Megawattstunde. Wie ist die Lage heute? Und was hat die Bundesregierung konkret beschlossen, um Verbraucher zu entlasten?
Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen und zeigt, was Sie als Verbraucher jetzt konkret tun können.
Was der Iran-Krieg mit unseren Energiepreisen macht
Der Zusammenhang zwischen dem Konflikt im Nahen Osten und den deutschen Energiepreisen ist zunächst nicht offensichtlich. Deutschland bezieht kaum Gas direkt aus dem Iran oder Katar. Die Auswirkungen treffen uns dennoch und zwar über den globalen Gasmarkt.
Wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erklärt, hat die Sperrung der Straße von Hormus wenig direkte Auswirkungen auf die physische Versorgung in Deutschland und Europa, weil nur ein geringer Anteil des in der EU verbrauchten Erdgases direkt aus Katar kommt. Weil die aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten exportierten Mengen jedoch auf dem Weltmarkt fehlen, spüren wir die Auswirkungen indirekt über die Gaspreise im Großhandel.
Der Iran-Krieg hat dabei einen bekannten Dominoeffekt ausgelöst: Steigende Gaspreise treiben über das sogenannte Merit-Order-System auch die Strompreise in die Höhe. Selbst Strom aus Wind und Solaranlagen wird zu diesen höheren Marktpreisen gehandelt. Für Neukunden am Strommarkt sind die Preise seit Ausbruch des Konflikts bereits um rund 16 Prozent gestiegen.
Die gute Nachricht: Im Vergleich zu 2022 ist die Lage beherrschbar. Die Gaspreise sanken zuletzt wieder auf rund 40 Euro pro Megawattstunde, weit entfernt von den Extremwerten der letzten großen Energiekrise. Staatssekretär Frank Wetzel vom Bundeswirtschaftsministerium betonte: Deutschland sei vergleichsweise gut diversifiziert und erkennbar unabhängiger als noch vor einigen Jahren.
Das Energie-Sofortprogramm der Bundesregierung — alle Maßnahmen im Überblick
Die Bundesregierung hat schnell und entschlossen reagiert. Der Koalitionsausschuss mit den Spitzen von CDU, CSU und SPD einigte sich auf ein Energie-Sofortprogramm, das Verbraucher und Wirtschaft unmittelbar entlasten soll.
Steuersenkung auf Kraftstoffe: 17 Cent pro Liter
Die wohl spürbarste Maßnahme für viele Haushalte: Die Energiesteuer bei Diesel und Benzin wird für zwei Monate um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter gesenkt. Das entspricht einer Gesamtentlastung von rund 1,6 Milliarden Euro für Verbraucher und Wirtschaft. Die Gegenfinanzierung erfolgt durch kartellrechtliche oder steuerrechtliche Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft.
Steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie von 1.000 Euro
Arbeitgeber können 2026 eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie von 1.000 Euro an ihre Beschäftigten zahlen. Diese Maßnahme ist freiwillig. Es lohnt sich also, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen. Zur Gegenfinanzierung wird die Tabaksteuer 2026 erhöht.
Industriestrompreis: EU gibt grünes Licht
Am 16. April 2026 erteilte die Europäische Kommission grünes Licht für den deutschen Industriestrompreis für die Jahre 2026 bis 2028. Davon profitieren energieintensive Unternehmen, vom Handwerksbetrieb bis zur Stahl- und Chemieindustrie. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bezeichnete die Maßnahme als wichtiges Entlastungsinstrument in einem schwierigen Umfeld.
Einkommensteuerreform ab 2027
Über das unmittelbare Sofortprogramm hinaus hat die Bundesregierung eine große Reform der Einkommensteuer angekündigt, die zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Ziel ist es, kleine und mittlere Einkommen dauerhaft zu entlasten.
Die EU handelt: Von der Leyen kündigt Energiemaßnahmen an
Auch auf europäischer Ebene wurde die Tragweite der Krise erkannt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen machte die finanziellen Folgen deutlich: Seit Beginn des Konflikts seien die europäischen Kosten für den Import fossiler Brennstoffe um über 22 Milliarden Euro gestiegen.
Ihre Antwort ist klar: „Wir müssen den Übergang zu heimischen, sauberen Energien beschleunigen. Dies wird uns Energieunabhängigkeit und -sicherheit verschaffen und dazu führen, dass wir geopolitische Turbulenzen besser überstehen können.“ (Quelle: Handelsblatt)
Konkret prüft die EU-Kommission Maßnahmen wie Steuersenkungen auf Strom, Gaspreissubventionen, eine EU-weite Koordinierung der Gaslagerbefüllung sowie die koordinierte Freigabe von Ölvorräten. Ziel ist es, nicht wie 2022 in einen unkoordinierten Wettbewerb zwischen den Mitgliedstaaten zu geraten.
Was können Verbraucher jetzt konkret tun? 7 praktische Tipps

Laut einer Schufa-Umfrage vom März 2026 versuchen bereits 88 Prozent der befragten Deutschen, Energie einzusparen. Im Februar waren es noch 84 Prozent. Das zeigt: Das Bewusstsein ist da. Doch welche Maßnahmen helfen wirklich?
1. Energie sparen — die schnellste und wirksamste Maßnahme
Heizung um ein Grad senken, Geräte nicht im Stand-by lassen und Warmwasserverbrauch reduzieren. Diese Maßnahmen sind kostenlos und wirken sofort. Laut Experten ist das Einsparen von Energie die kurzfristigste Möglichkeit, Preissteigerungen zu umgehen.
2. Stromtarif mit Preisgarantie prüfen
Wer einen neuen Strom- oder Gasliefervertrag abschließen möchte, sollte in der aktuellen Lage einen Tarif mit Preisgarantie wählen. Kurzfristige Verträge sind zwar flexibel, aber anfälliger für Preisschwankungen. Bestehende Verträge mit Preisbindung bieten hingegen aktuell einen wertvollen Puffer.
3. Bei Heizöl nicht überstürzen — und Fake-Shops meiden
Haushalte, deren Tanks noch bis zum Ende der Heizsaison ausreichend gefüllt sind, können mit der Bestellung warten. Heizöl kostet aktuell etwa 145 Euro pro 100 Liter, ein Niveau, das zuletzt in der Energiekrise Herbst 2022 erreicht wurde. Wichtig: Die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt vor einer Zunahme von Fake-Shops, die mit günstigen Heizölangeboten locken. Prüfen Sie unbekannte Anbieter stets mit dem Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale.
4. Entlastungsprämie beim Arbeitgeber ansprechen
Die Bundesregierung ermöglicht Arbeitgebern, eine steuer- und abgabenfreie Prämie von 1.000 Euro zu zahlen. Diese Maßnahme ist zwar freiwillig, aber es lohnt sich, das Gespräch proaktiv zu suchen.
5. Langfristig auf Solarenergie setzen
Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, ist von den Spot-Märkten entkoppelt und profitiert von eigenem, günstigem Strom. Der Iran-Krieg zeigt einmal mehr: Wer auf importiertes Gas angewiesen ist, hat kein Preisrisiko-Management. Jeder Strompreisanstieg verkürzt die Amortisationszeit von Dachanlagen. Aktuell liegt sie für viele Haushalte unter 10 Jahren.
6. Wärmepumpe als langfristige Alternative prüfen
Steigende Gaspreise verschieben das Gas-zu-Strom-Verhältnis zugunsten der Wärmepumpe. Mit bis zu 70 Prozent Förderung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist der Umstieg so attraktiv wie selten. Politischer Druck für schnellere Genehmigungen und verbesserte Förderungen ist durch die aktuelle Krise so hoch wie nur selten.
7. Finanzielle Prioritäten klar setzen
Die Verbraucherzentralen empfehlen in unsicheren Zeiten: Klare Prioritäten setzen. Energie, Miete und Lebensmittel haben Vorrang. Keinen Dispo als Dauerlösung nutzen und keine Versicherungen vorschnell kündigen. Erste Anlaufstelle bei finanziellen Problemen ist die Verbraucherzentrale – oft kostenlos oder zu geringen Kosten.
Ist die Lage mit 2022 vergleichbar?
Die kurze Antwort lautet: Nein, zumindest noch nicht. Damals stiegen die Gaspreise auf über 220 Euro pro Megawattstunde und die Strompreise auf historische Rekordwerte von 488 Euro pro Megawattstunde. Heute liegen die Preise trotz des starken Anstiegs noch deutlich darunter.
Gleichzeitig ist Deutschland heute resilienter aufgestellt als 2022. Erneuerbare Energien deckten im ersten Quartal 2026 bereits 53 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Ein großer Meilenstein, der die Abhängigkeit von den Gasimporten spürbar reduziert. Windenergie an Land legte um 27,5 Prozent zu, Offshore-Wind sogar um 44,4 Prozent.
Wie der BDEW betont, macht heimisch erzeugte erneuerbare Energie unser Stromsystem handlungsfähiger und resilienter. Der eingeschlagene Weg sei richtig und müsse konsequent weiterverfolgt werden.
Fazit: Kurzfristig entlastet, langfristig umdenken
Das Energie-Sofortprogramm der Bundesregierung ist ein wichtiges Signal und eine spürbare Hilfe für viele Haushalte. Doch Bundeswirtschaftsministerin Reiche räumte selbst ein: Es handelt sich um kurzfristige Hilfen, die die strukturellen Ursachen der Energieabhängigkeit nicht lösen.
Der Iran-Krieg macht deutlich, was Experten seit Jahren betonen: Wer langfristig vor Energiepreisschocks geschützt sein will, muss auf erneuerbare Energien setzen. Eine Solaranlage auf dem Dach, eine Wärmepumpe im Keller oder ein gut gedämmtes Haus sind keine ideologischen Entscheidungen, sondern wirtschaftliche Schutzmaßnahmen gegen geopolitische Unsicherheit.
Die gute Nachricht: Deutschland ist heute deutlich besser aufgestellt als 2022. Und mit den richtigen Entscheidungen jetzt können Verbraucher dazu beitragen, dass das auch so bleibt.
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FAQ: Die wichtigsten Fragen zur aktuellen Energiekrise
Wann wird die Steuersenkung auf Kraftstoffe wirksam?
Die genauen Zeiträume werden durch die Bundesregierung bekanntgegeben. Die Maßnahme gilt für zwei Monate und soll Verbraucher schnellstmöglich entlasten.
Bekomme ich die Entlastungsprämie automatisch?
Nein. Die Prämie ist freiwillig. Ihr Arbeitgeber entscheidet, ob er sie zahlt. Sprechen Sie das Thema aktiv an.
Werden meine Strom- und Gaspreise jetzt sofort steigen?
Wahrscheinlich nicht sofort. Die meisten Energieversorger haben Mengen langfristig beschafft und geben Preissteigerungen nicht unmittelbar weiter. Bei Neuverträgen sind die Preise jedoch bereits gestiegen.
Lohnt sich jetzt eine Investition in Solar oder Wärmepumpe?
Ja. Geopolitische Krisen sind historisch gesehen die stärksten Treiber für die Beschleunigung der Energiewende. Die Amortisationszeiten sinken, die Förderungen sind attraktiv.